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  • Chris Collet

Was ist eigentlich ... gutes Feedback?

Wenn Sie – wie ich – in der Erwachsenenbildung unterwegs sind, mögen Sie den Eindruck gewinnen, jedem sei klar, was ein «gutes Feedback» ist. Ähnlich, wie ein Zahnarzt vielleicht annimmt, dass jeder weiss, was eine «Gingivitis» ist. Ein Blick in die Sozialen Medien zeigt eindrücklich, dass dies nicht der Fall ist. Lassen Sie uns den Finger in die Wunde legen.



Ist «gut» immer «gut»?

Gutes Feedback, also eine Rückmeldung zu geben bedeutet nicht, dass dieses ausschliesslich positiv sein darf. Im Gegenteil. Eine kritische Bemerkung, respektvoll vorgebracht, kann sehr geschätzt werden. Oder wollen Sie es wirklich nicht wissen, wenn Ihr Rock hinten in der Strumpfhose steckt?

Wie geht respektvoll?

Am besten verzichten Sie auf moralische Verurteilung. Ihr fleischessendes Gegenüber wird kein Ohr für vegane Argumente haben, wenn Sie die Person vorab als «Mörder» bezeichnen.

Jetzt mal «Butter bei die Fische!»,

würde es in Norddeutschland heissen. Gemeint ist, dass Sie die Sache auf den Punkt bringen sollen. Formulieren Sie Ihr Feedback klar, genau und sachlich richtig. Also statt «Immer bist du unpünktlich!» lieber «Es hat mich verletzt, dass du zum Muttertagsessen zu spät kamst».

Alles eine Frage des richtigen Zeitpunkts

Es hilft, wenn auch Ihr Feedback nicht «zu spät» kommt. Legen Sie Wert darauf, bei einem Streit am Hochzeitstag die Verfehlungen Ihres Partners aus den letzten fünf Jahren aufzuzählen? Dann können Sie auch gleich die Nummer des Scheidungsanwalts heraussuchen. Apropos ...

«Lügen habe kurze Beine»

Da wäre ich mir jetzt nicht so sicher. Fest steht jedoch, dass Feedback sich auf veränderbare Situationen beziehen sollte. Welchen Basketballspieler motiviert es schon, wenn Sie feststellen: «Deine Arme sind zu kurz!».

Feedback ist kein «Hit back»

Meinen Sie es gut mit dem Anderen? Oder geht es mehr darum, sich gockelartig aufzuplustern? Letzteres fällt mir besonders oft, aber nicht nur, in den Sozialen Medien auf.

Persönlich empfinde ich ein authentisches, respektvolles und erwünschtes Feedback ausgesprochen hilfreich. Als Coach bin ich die «Confidant», die Vertraute, beispielsweise eines Unternehmers. In seiner Führungsfunktion ist er mit der «Einsamkeit an der Spitze» konfrontiert. Einerseits kann und sollte er sich der Belegschaft nicht mit jeder Sorge offenbaren. Andererseits sind seine Angestellten von ihm abhängig. Nach einer Rückmeldung gefragt, werden Mitarbeiter abwägen (müssen), was es verträgt und was nicht.

In einem Setting auf Augenhöhe, wie dies im Coaching der Fall ist, können Themen offen diskutiert und aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden.




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